Fremdsein

Das Buch von Herta Müller hat mich zunächst eher nachdenklich gemacht, ich habe mich gefragt, ob es mir richtig gefällt oder ob es nur interessant ist. Dann aber hat es mir echt gefallen, die Sprache ist richtig in Schwung gekommen und inhaltlich ist Fremdsein  optimal verdeutlicht. Wenn einer sich so fremd fühlt wie dieser Heimkehrer aus dem Arbeitslager, da kann man auch nicht mit freundlichen Worten dieses Gefühl: „hier passe ich nicht richtig hin“ wegwischen.

Eigentlich bin ich froh, dass es in meiner Ehe so starkes Fremdsein  nicht gibt. Ich bin manchmal auch traurig, wenn ich in Bezug auf andere Leute merke: früher hast Du da gar nicht so richtig drüber nachgedacht, wie Du zu dem oder jenem stehst, aber inzwischen hat sich ein Fremdsein zwischen mich und die andere Person geschoben und ich will nicht mehr viel mit ihr zu tun haben. Dazu kann ich auch sagen, dass manches mit dem Alter stärker fühlbar ist. Es ist ähnlich, wie mit dem Körper, wo sich die Knochen stärker raus drücken. Wo ich früher nur den Verdacht hatte: der Mensch könnte echt unhöflich oder blöd sein, gibt es eine Gewissheit, weil das Unhöfliche oder Blöde nicht mehr hinter vorgehaltener Hand versteckt wird, sondern offen raus gelassen wird, weil der Mensch glaubt, keine Rücksichten mehr nehmen zu müssen. Die Unarten werden sichtbarer, halt wie die Knochen. Dass er im Alter nicht mehr so viel Interessantes zu erwarten hat, macht ihn schlechtlaunig und Boshaftigkeit wird ein Vergnügen für ihn.Ich denke, wenn jemand künstlerisches Tun verachtet und mir das auch verdeutlicht, dann habe ich auch das Recht, zickig zu sein.

Umgekehrt ist es natürlich auch schön, wenn man Leute kennen lernt, mit denen man sich gar nicht  fremd fühlt, man kann sich echt unterhalten- nicht dieses Konversationsgerede über das Wetter oder Superstars oder so. Wenn man sich halt auch irgendwie bei gemeinsamen Interessen trifft, oder irgendwas zusammen macht, dann geht das Fremdsein schnell weg.

Das war wohl auch das Ding mit der Stimmung im Trim: die einen gehen hin, weil sie Bewegung für wichtig halten, die anderen, weil ihr Rehaplan es so vorsieht. Natürlich ist Konkurrenzdenken bei gleichem Tun manchmal auch Stimmungstöter: höher, schneller, weiter… aber das ist ja klar wie Klosbrühe und braucht nicht erwähnt zu werden.

Was ich aber toll finde, ist, wenn ich sehe, wie gut Kinder sich oft zurechtfinden, obwohl vieles für sie neu und fremd ist. Hut ab!

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Ein Kommentar zu „Fremdsein

  1. das sind schoene postings in deinem blog. das, und auch das mit dem ausschlagen, das hat mir auch gut gefallen. passt auch irgendwie zusammen, so ein ausschlag wird sich auch fremd vorkommen erst mal, irgendwann ist er dann der baum. ich hoffe, du schlaegst noch viel aus. 🙂

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