Konversion

Also eine Dame, die das Atelier mitgemietet hatte, ist wieder rausgegangen. Sie meint, sie ist einfach gewohnt, ihren Arbeitsplatz nah bei sich zu haben. Das kann ich gut verstehen. Ich liebe indessen die Atmosphäre in unserem Atelier. Bei mir zu Hause kann ich weniger gut arbeiten.

Der Umraum ist schon irgendwie wichtig, ich erinnere an die 2 Köpfe unter dem umgedrehten Aquarium. Was das ausmacht, wenn ein Zaun die Bewegung hemmt, wurde mir gestern bei einem Spaziergang bewußt. Ich gehe so gemütlich des Wegs durch den Wald und sehe plötzlich Gatter und Zäune vor mir. Eine ehemalige Zweigstelle der JVA in den Wald verlegt, später saßen dort Abschiebehäftlinge, jetzt ist alles verlassen und leer. Ein perfektes Gesamtkunstwerk zum Thema Konversion ist entstanden, das man in der Form erhalten sollte. Es waren wütende Menschen am Werk, die wirklich alles kaputt bekommen haben:  die schweren Mechanismen, die die 3,50  Meter hohen Tore bewegt haben, das Sicherheitsglas in den Räumen, eine richtige Arbeit war das. Aber ohne diese Verwandlung hätte ich es dort nicht ausgehalten, denn es ist mir unter die Haut gekrochen, dass ich mich als Kind in diesem Schwarzwaldkinderheim so gefühlt habe musste. Sicher waren die Zäune nicht so hoch, aber ich war ja auch noch klein. Ich habe nur Erinnerung an das 2. Kinderheim, in dem ich war, und auch da waren vor allem in der Zeit der Quarantaine (man musste ja sicher gehen, dass keine ansteckenden Krankheiten eingeschleppt würden) Zäune in unangenehmer Erinnerung.

Eigentlich wollte ich diesen Abschnitt erst gar nicht schreiben, weil so was wie eingesperrt sein nicht locker und flockig rüberkommt. Aber man kann es auch so sehen, mein einfaches Leben ist super, weil Zäune fehlen. Die Leute, die sich die Mauer zurückwünschen, oder noch Schlimmeres, kann ich nicht verstehen, auch wenn ich nicht jedes Jahr in die Dom.Rep. fliegen muss.

Gestern Abend habe ich dann noch den Film geschaut: am Ende kommen Touristen, wo mich Ryszard Ronczewski beeindruckt hat. Eigentlich habe ich geschwankt, ob ich Polnisch oder Spanisch lernen soll, wenn ich den Namen abschreibe, denke ich, es war doch leichter, Spanisch zu lernen.

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