Automat

Also die Zwetschgen sind nicht mehr auf dem Baum, der Nachbar hat sie geerntet, damit nicht noch mehr Äste abbrechen. Der Haptast war ja direkt hinter der Stütze abgebrochen. Es waren halt echt zu viele Früchte dieses Jahr drauf und weil es wenig Sonne gab im Sommer waren sie auch etwas sauer. Jetzt wird aber mit aller Sorgfalt gearbeitet, damit nicht noch mal was anbrennt.

Die Hände bewegen sich automatisch: Zwetschge greifen, durchschneiden, Kern raus, Zwetschke in den Topf, Kern daneben.  Das klappt, die Gedanken schweifen ab, dann schau ich nochmals hin und was passiert? Die Zwetschgen liegen bei den Steinen und die Steine im Topf bei den Zwetschgen. So können, denke ich, Fehler entstehen, wo es heißt: menschliches Versagen! Aber warum? War doch alles bestens vorbereitet und eingeübt?

Es ist, als würde einem irgendein Gnom ein Bein stellen und sich dann kaputt lachen. Bei dem Entkernen passiert ja nun nix Schlimmes- zum Glück! Manchmal denke ich, es hängt auch damit zusammen, dass der Mensch nicht eigentlich gemacht wurde, um irgendwo wie ein Automat zu funktionieren. Da tun mir die vielen, vielen Leute leid, die unsere Sportkleidung zusammen nähen müssen. Dann noch mit Zeitdruck, und wehe, du kommst aus dem Rhythmus und wirfst die Steine zu den Früchten.

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2 Kommentare zu „Automat

  1. dennoch ist im (selbstgewählten) automatismus auch ein gehemnis verborgen: jenes des mantras. die heilende wirkung der wiederholung, des immergleichen. mediation.
    schöner input, deine zwetschgen-parabel 🙂

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