Übertrieben kritisch

Übertrieben kritisch“Auf dem stetig schrumpfenden Markt der Gegenwartslyrik geht heute nichts mehr ohne halsbrecherische Improvisationskunst. Die wenigen unabhängigen Lyrik-Verleger sind radikale Querköpfe, die sich mit Gedichten die Möglichkeit erhalten, eigensinnig in der Welt zu sein und sich wie die von ihnen verlegzzo “ bin ich wahrscheinlich auch bei meinen kreativen Tätigkeiten: will ich doch etwas wirklich Gutes und Neues anbieten. Vielleicht bin ich mit Malerei auch auf dem falschen Dampfer, da ich mich ja ursprünglisch mehr zur Bildhauerei hingezogen fühlte und als mein Arm sich gegen das Klopfen auf Marmor wehrte, mich erst intensiver mit Farben beschäftigt habe.

Man denkt sicher: jetzert ist sie bekloppt geworden, was sicher noch kommt, aber ich fand es witzig, dass das Zitat, das ich gerade meiner Tochter geschickt habe, hier mitten im Text auftauchte.

Also diese Kritik mir selbst gegenüber ist auch mit Kritik Kunstschaffender verbunden, die diese Selbstkritik nicht an sich haben, was ihre seichten meist ungegenständlichen Bilder unter Beweis stellen. Sie denken, wenn der Pinsel locker in Töpfe taucht und herumsaust, wird es schon gut sein. Wie viel schwerer hat es dann eine Frau, die sich nur mit ihren Füßen beschäftigt und immer erzählt, was ihre Schuhe gekostet haben, aber außerdem auch immer das letzte Wort haben muss und wenn sie vor der Tür noch auf einen wartet. Man denkt, sie sei weg, atmet auf, versucht wieder in die eigenen Denkbahnen zu kommen, bums- da steht sie mit „übrigens“ und so.

Also jetzt habe ich doch noch geschrieben, was ich ursprünglich unterdrücken wollte.

Advertisements

6 Kommentare zu „Übertrieben kritisch

  1. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe. Aber kritisierst du gerade die „Beliebigkeit“ der Kunst? Dass man alles Kunst nennen kann inzwischen? Wenn ja, dann kann ich deine Gedanken nachvollziehen … Ich find’s immer sehr faszinierend, wenn der Künstler ausdrucksstark ist und auch ein hohes Handwerkskönnen hat. Weißt du, was ich meine? Dann ist das Ergebnis meistens in einer Form überwältigend, die ich nicht erklären kann. Vielleicht, weil dann erst gleichzeitig das Innenleben sowie das Reale im Kunstwerk einen so platt machen können.

  2. Du hast recht, wenn es einem nicht gelingt, eigentlich Unmögliches hinein zu bringen, drückt sich der Eindruck des Dekorativen durch. Schau mal kurz in die Comments bei Rottenkinckshow .Ich kann M.aber auch zitieren.

  3. „och ne. die kunst ist doch der einzige bereich, in der man über das machbare hinausgehen kann. wo man alles erreichen können wollen muss! geradezu. wo die frage dessen, was machbar ist, ständig neu zur verhandlung steht. im gegensatz zu all den anderen bereichen, in denen das entschiedener und unumstößlicher geregelt ist, haben in der kunst gutfinden und machbarkeit nicht notwendig miteinander zu tun.“
    Es geht um Soundopfer und Sinnmonster.

  4. Danke, Blinky. Ich verstehe. Durch Sofasophia und die Mützenfalterin habe ich in der letzten Zeit oft darüber nachgedacht, was Kunst eigentlich ist. So wirklich zu einer Antwort bin ich noch nicht gekommen, das wird auch sicher noch etwas dauern. Trotz all der Kunstvielfalt gibt es für mich diesen Unterschied zwischen Davinci und einem Abstraktpinsler. Ich kann einfach die Präzision der Maltechnik, das eigene Vorstellungsvermögen und die Bilder im Inneren nicht einfach ignorieren. Sie machen soviel aus. Stell‘ dir vor, in der Schriftstellerei sei es egal, wie du die Buchstaben aneinander reihst, Hauptsache Buchstaben in gebundener Form, irgendwie wird das schon Kunst sein. Wir würden uns doch dagegen sträuben, oder?

  5. Sagen wir mal: Soundopfer und Sinnmonster. Es malt jemand angenehm zusammengestellte Farbflecken (was bei vielen schon mal nicht der Fall ist) es fügt jemand Worte zu einem angenehmen Sound (s.Klammer oben), sagt dann : Wie schön, was für ein herrlicher Sound, dann kommt das Sinnmonster und sagt : und was gibt das jetzt für einen Sinn? -Sinn kann man oft nur reinbringen, wenn man Sound opfert.

    Ich denke, man kann, wenn man in der Lage ist, zu lesen, auch in scheinbar unlogischen Wortreihen und in Farbflecken Sinn erkennen. Aber nicht so einfach. Wenn man es gelernt hat, sieht man dann rein dekorative eitle Machwerke, die mit stolzgeschwellter Brust ausgestellt werden, mit Gänsehaut an. Ähnlich geht es mit Gedichten, bei denen ein modernistisches Wortdurcheinander nur dem eingelesenen zeigt, dass sonst nichts dahinter ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s