Mehr und weniger

Normal sagt man meist: mehr oder weniger, ich habe mich für das „und“ entschieden. Wenn ich mein Postfach aufmache, finde ich Werbung für Viagra und für Diäten. Man vermutet, dass „die Leute“ (wer immer das ist) sich dafür interessieren, mehr Sex zu haben, aber weniger Gewicht. Das scheint doch ein echtes Problem zu sein. Und sonst nix? frage ich mich. Ich habe mal gelesen, dass sich eine Frau einen längeren Höhepunkt, anscheinend einen Höhenlappen, gewünscht hat. Also, wie ich darüber nachgedacht habe und mir das versuchte vorzustellen, musste ich echt lachen.

Eigentlich ist es schade, dass man sonst nichts in fremder Köpfe und Herzen vermutet. Daneben geht es halt noch um Mord und Totschlag, sonst würden die Krimis nicht das Fernsehprogramm beherrschen und um durch Geldberge erworbenes Ansehen. In letzter Zeit sieht  man sich auch gern völlig verwahrloste Wohnungen an, die dann unter der Regie eines geschickten Fernsehteams herrlich zurecht gemacht werden. Oder man sucht sich Leute,  bei denen sich eine Verschönerungsaktion lohnt. Ich nehme an, wer das schaut, denkt: zum Glück ist es bei mir noch nicht soo schlimm, ich bin ordentlich oder schön- je nach Sendung.

Wenn unser TV nicht zukunftstauglich ist und demnächst abgeschaltet wird, kann man mal versuchen, ob es auch ohne geht. Selbst das „von einem Sender zum anderen zapppen“ kann lästig sein, weil man manchmal zufällig echte Ekelszenen erwischt und sich fragt: WARUM?

Advertisements

5 Kommentare zu „Mehr und weniger

  1. Das hast du sehr richtig gesagt, Blinky. Diese Sendungen, die Menschenshow im modernen Jahrmarkt, geben uns die Gelegenheit, uns besser zu fühlen, indem wir sagen können: „Boah, sind die arm dran!“ Natürlich vermischt sich da auch Mitleid dazwischen, aber im Grunde fühlen wir unseren Arsch gerettet. Und deshalb sind diese „Reality Shows“ auch so verdammt erfolgreich, und ich vermute, dass je schlechter der ökonomische Status des Zuschauers ist, desto mehr schaut man sich das an {das ist eine Schätzung, würde aber zu den Theorien und der Forschung zu sozialen Vergleichsprozessen passen}.

    Es ist irgendwie alles so … verkorkst manchmal. Selbst, wenn man das Leben betrachtet, kann man sich distanzieren und vor der Welt „ekeln“ und sich denken: „Gott sei Dank bin ich nicht so.“ Andererseits bringt das manchmal recht wenig, immerhin sind wir Teil dieses Spiels, und am Liebsten würden wir die Mannschaften wechseln.

  2. Ich kann mich nur mit Mühe in die Haut einer Frau versetzen, die sich freut, für einen Verschönerungsprozess vorgeschlagen zu sein. Mir ist schon peinlich, wenn am Auto eine Visitenkarte mir rät, das Auto zu verkaufen. Ich hefte sie schnell an das nächste nagelneue Auto.

  3. mir gefällt der höhelappen. das ist ein echt tolles wort.
    und ja, auch deine betrachtung von aussen und innen, dieses manipuliertwerden, hast du sehr weise beschrieben. fragen, die ich mir auch oft stelle. ich lasse mich nicht gerne auf triebe reduzieren. und um die geht es ja letztlich bei diesen „aussenimpulsen“.
    andererseits: gute krimis haben auch das zeug zur psychohygiene, so meine these.
    es ist alles immer mehr, als wir von aussen sehen.
    liebgrüss, soso

    ps: das mit der autovisitenkarte finde ich immer höchst amüsant. ich klopfe dann meinem sternchen auf die chassis und verspreche ihm treue bis an sein seliges blech-ende. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s