Festplatte, du Unbekannte!

Ich habe immer in der Vorstellung gelebt, auf meinen Festplatten sei alles drauf, was ich im Laufe der letzten Jahre so fotografiert habe, bis ich gestern mal Fotos gesucht habe. Im Juni 2010 habe ich einige davon noch im Blog gefunden, aber der Rest? Wenn ich so eine Festplatte durchsuche, denke ich manchmal: das hast du doch schon gesehen und flop- gelöscht. Dieses Verfahren lässt die Festplatten zu geheimnisvoll schwarzen Löchern werden. Manchmal findet man Gesuchtes noch in Backups.

Aber es ist schon seltsam, dass anscheinend eine Fotoserie von der ehemaligen Abschiebehaft nur noch im Kopf ist. Vielleicht finde ich was, wenn ich was anderes suche. Versucht man exakt zu sein, dann kann ja das im Kopf nicht richtig sein. Ich meine, wenn ich etwas gesehen, mit dem Kopf gescannt habe, vermischt es sich automatisch mit allem anderen, was da so ist, muss vielleicht auch mal für anderes Platz machen und wird in eine andere Schublade verschoben. Witziger Weise habe ich auch eine täuschende Wasserwaage, was natürlich peinlich sein kann, wenn man einen Duschabfluss kacheln soll. Was  richtig ist und was mit der eigenen Vorstellung sich verbindet, ist sicher meist nicht zu sagen. Wie kann man z.B. , um es krass zu sagen, von einem Verliebten verlangen, dass er richtig (was immer das wo und wie ist) etwas beurteilt. Natürlich ist eine Festplatte ein ganz nüchternes Teil, das gefühllos reagiert, aber wenn es von mir gefüttert wird, dann wird ihm das auch nicht mehr helfen, es hat Teil am menschlichen WIRRWARR. Was für ein schönes Wort!  Hätte ich auch in die Überschrift setzenkönnen.

Jetzt gibt es ja noch die Möglichkeit zu schreiben,  um etwas festzuhalten, was meine Tochter eher als zu fotografieren macht. Da hat man auch andere Interessenziele. Mal sehen, vielleicht lasse ich mich mal von Sherry anregen- fühle mich aber etwas unsicher und weiß auch, dass die Fotos nicht umsonst weg sind, weil ich diese ganzen Sch..ß situationen mir gar nicht vorstellen will. Auf der anderen Seite hat die Transformation eines ungeliebten Gebäudes bis zum völligen Verschwinden schon etwas Faszinierendes.

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4 Kommentare zu „Festplatte, du Unbekannte!

  1. der titel ist klasse, und der artikel auch. ich kenn das. dieses meinen, es müsse so sein. oft passiert: ich war sicher. fand nicht. vergass. fand später, ungesucht, da wo es hätte sein sollen, ich es aber nicht gesehen habe. im realen leben und auf der festplatte schon wiederholt bei mir geschehen.

    wenn etwas ungeliebtes verschwindet, ja, das macht was mit uns. transformation.

    schönes wochenende und liebe grüße
    soso

  2. Danke fürs Schreiben, ich kenne da jemand, der sich mit der Sprache von Räumen beschäftigt, ich schicke Dir mal nen Link.

  3. Ich musste so lachen, als du angedeutet hast, dass die Festplatte zwar nüchtern sei, aber eben von unserem menschlichen Chaoswirrwarr gefüllt wird; und es am Ende auf’s Selbe hinausläuft. Oh Mann …

    Naja, und dann kam eben wieder dieser ernste Situation und deine Gedanken dazu, warum du die Serie gelöscht hast und dass das einen Grund hatte.

  4. Manchmal denke ich, ich war so berührt von diesem Gebäude im Wald mit den 5 m hohen doppelten Eingangstoren, weil ich ja mit vier Jahren in einem Kinderheim war und mir dort die Zäune sicher so hoch vorgekommen sind wie heute 5 Meter.Aber das ist nur eine Vermutung- Sicherheitsglas und so was gab es dort ja nicht, auch keine Zellen, an deren Wände Sehnsüchte und Flüche in allen Sprachen geschrieben waren, Wir schliefen alle Bett an Bett in einem großen Saal. Also der Vergleich hinkt. Vielleicht, weil das Haus im Wald war.
    Es freut mich, wenn es auch ein Lachen gibt. Danke!

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