Richtung

Man kauft etwas, es macht auch Spaß, ist stolz über den Besitz, nutzt es. Die Zeit nagt, es gibt Neueres, der Absatz wird schief (in Erinnerung an das schöne Gedicht von Schwitters: da das Leben relativ ist und der eine Absatz schief ist),  soll man Neues kaufen? Das weniger Genutzte weniger nutzen? Es war so schön und hat lange gedient. Vielleicht in den Keller stellen, wenn das Neue mal nicht geht. So ähnlich geht es mit vielen Sachen, es ergibt sich ein Gemenge. Versucht man in Fluren und Treppenhaus und Keller etwas zu ändern, kann man so seine Zweifel bekommen. Ich nutze zum Beispiel 2 Laptops: einen alten, dem ich täglich zutraue, dass er gar nicht mehr richtig hochläd, da er oft 3-4 Versuche braucht. Irgendetwas stimmt vermutlich an der Stromzufuhr im Gerät nicht, bewegt man ihn, geht er oft plötzlich aus. Den 2. , den ich meist im Bett nutze, habe ich leider durcheinander gebracht, mein komputerkundiger Sohn kommt hoffentlich bald.. das ist alles so langweilig, was ich schreibe. Ich versuche, so wenig Schuhe wie möglich zu kaufen, weil sie immer auf der Treppe stehen und die Schuhregale im Keller auch schon voll sind- da beneide ich manchmal Leute mit Anziehzimmern. Ich weiß nicht, wie viel halb genutzte Shampoogefäße und Sonnenmilche ich gefunden habe und wie alt diese sind? Das geht so in die Richtung: das Neue vorne und die gestrigen Sachen weiter hinten. Bekomme ich den Aufräumkoller, muss ich die Hintensachen als 1. in den Mülleimer,  zum Sondermüll, zum Wertstoffhof bringen und fühle mich wie ein Hund, den man gegen die Richtung kämmt. Mein Objektiv war immer so super, jetzt springt es beim automatischen Fokussieren immer hin und her. Ich kann es noch manuell einstellen, aber der Sucher sieht das mit Hilfsmitteln nicht vor. An vielen Sachen sind so schöne und wertvolle Materialien- das kann man doch nicht einfach in den Müll. Mein alter Mac.. wenn ich ein Kabel fände, ging er noch. Und doch wollte ich eine Atlascd auf einem älteren Komputer schauen und bekam die Auskunft, das ginge nicht, weil dem Gerät die nötige Power fehle. So treibt uns die Zeit dazu, die Natur immer weiter auszubeuten und einzuengen (ich erinnere an die drei Meter im Grundriss mehr), weil ja weil? Da kann ich echt noch krasse Beispiele nennen von Sachen, die man noch gut nutzen könnte, wenn man gerade den fände, der sie nutzen wollte. Bücher lässt man auf Parkbänken liegen, in der Schweiz kann man sie in einen Raum bringen, wo ein andrer sie um eine geringe Summe mitnehmen kann. 2 Ereignisse haben mich zu diesen Überlegungen gebracht: das Streichen des Treppenhauses und Renovieren eines kleinen Bades im Untergeschoss und der missglückte Kauf einer Jacke.

Ich suchte ein Geschenk für mich, mein Mann will mir eine Freude machen. Es soll natürlich schnell gehen- ich finde nichts Überzeugendes, kaufe schließlich irgendwas und sehe beim Bezahlen eine sehr schöne Jacke: 2 Größen, ich probiere und will die kleinere kaufen… nervös.. nervös… Voll stolz zu Haus.. lässt sich optimal kombinieren…Am Abend sehe ich sie so da hängen, schaue nach und habe die größere gekauft. Rufe am Morgn an: legen Sie mir die kleiner zurück, die dann später nicht mehr da ist. Im einen habe ich mich geärgert, dass mein Geschenk jetzt ein Gutschein ist, dann habe ich gedacht: wie ist das mit Materialiensparen? Brauchst du sie? Auch da habe ich mich etwas gegen die Richtung gekämmt gefühlt, denn schließlich will man ja mit der Zeit gehen, auch wenn meine Lieblingsjacke schon 20 Jahre alt ist.

Also so richtig logisch scheint mir das nicht zu sein, aber Gedankensprünge hatte ich schon früher. In einen Kalender von 1957, der zufällig meiner Aufräumwut entgangen ist und den ich bei Aufräumversuchen gefunden habe, schreibe ich von der Wohnung meiner Schwester damals in von der Heyd, die mir gut gefallen hatte, nur das Plumpsklo fand ich nicht so toll:“ sie wohnt ja wirklich schön. Bloß das Plumpsklo. Nächster Satz: Schule hängt mir schon zum Hals raus.“

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5 Kommentare zu „Richtung

  1. Ich hab‘ da leider auch eine sehr schlechte Angewohnheit, die mein Mann mir auch ständig vorhält: Ich neige dazu – ohne, dass ich es bemerke – neue Packungen und neue Shampoos zu benutzen, auch wenn das Alte noch nicht zu Ende ist. Das ist sehr verschwenderisch. Aber seit mein Mann und ich zusammenwohnen und ich im Hinterkopf weiß, dass er sich schon darum kümmern wird, die alten Dinge zu Ende zu konsumieren, ist das noch viel schlimmer geworden mit mir!

  2. Ich wusste dann auch nicht, wie alt das Zeug ist und ob man es noch nutzen kann. Über Müll nachzudenken bringt ja nur dann etwas, wenn man den überflüssigen Verbrauch reduziert.

  3. hm, da bin ich grad umgekehrt. ich brauche alles bis zum letzten tropfen, schneide tuben auf und so. nennt mich geizig, sparsam? armeleutekind, ja.

    was brauchen wir wirklich? ich erinnere mich kaum mehr, wann ich mir das letzte mal (ausser der turnschuhe neulich), was neues zum anziehen gekauft habe.

    weil, die alten sachen gehen ja noch, wozu neues kaufen?

    die gesellschaft diktiert: neu = anscheinend reich = anscheinend wichtig. ausserdem soll ja die maschine weiterdrehen. wirtschaftankurbeln – bis zum kollaps: achtung, fertig, los: wer bringt das fass zum überlaufen?

    tja. vielleicht hat mein guter alter fahrlehrer ja recht und dieser planet hier (nur einer von vielen) ist einfach eine art spielplanet, lernplanet, einer, der sich nach gebrauch auflöst … (letzteres von mir, nicht von ihm) …

    und vielleicht ist alles ganz anders.

  4. Ja liebe Soso, man hat fast schlechtes Gewissen, wenn man nicht so viel kauft. Viele Leute profilieren sich über ihre Kaufgewohnheiten und nehmen das so ernst.
    Fußball ist auch etwas, das sooo ernst genommen wird, womit man den Fußballern die Nerven nimmt.

  5. P.S.: Ich muss dazu sagen, dass ich zwar dazu neige, neue Packungen aufzumachen, wenn in der alten noch ein wenig drin ist, aber dass ich die Alte nie wegwerfe, sondern irgendwann aufbrauche. Bei Essen bin ich sehr empfindlich, da versuche ich immer, nichts wegzuwerfen. Es wird immer irgendwie verwertet. Ich habe mal gelesen, dass der durchschnittliche Haushalt pro Jahr 8 Tonnen Essen wegwirft. Gibt’s bei uns jedenfalls nicht.

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