Ach wie nett

Ich vermute, mir liegen die Bratkartoffeln, die ich gegessen habe, schwer im Magen, weil ich nicht schlafen kann. Da bin ich drauf gekommen, ob man Leute nett, aber nicht sympathisch finden kann. Ausgangspunkt dieser Überlegung ist eine Dame, die ich vom flüchtigen Sehen her eher als unsympathisch eingeschätzt habe. Jetzt lerne ich sie näher kennen, denke, sie ist doch nett, bau Dein Vorurteil ab. Da ist das Aussehen, ich finde sie weniger gut aussehend, da ist die Sprache, schnell Sätze in eine Lücke quetschen, da ist der Tonfall der Sprache, der Klang einfach, vielleicht bei aller Nettigkeit die Befürchtung, es könne letztendlich doch eher um Rechthaberei gehen. Gleich kommt die Frage: bin ich nicht vielleicht auch rechthaberisch von anderer Sicht aus gesehen, bin ich nicht auch wenig hübsch (eher dick und grob), wie klingt meine Sprache? Viele, denke ich, können mich nicht leiden. Sympathie meint, glaube ich, mitfühlen können. Können mich Leute nicht leiden, weil sie nicht mitfühlen wollen oder können? Wen nur sein Geldbeutel interessiert, der braucht auch nicht mitfühlen, wenn es um Wohlklang und Spannung geht. Ist es einfach……jetzt wird es mir echt schwierig, weil ich denke, sicher habe ich auch was von „will und kannnicht“ an mir und von Rechthaberei, wenn ich sage: dieses Bild ist blöd hingeschmiert. Bauchgefühl hin und Bauchgefühl her, worum ich mich bemühe, ist Herzenshöflichkeit.
Ich werde weiterhin Leute nett finden, die mir doch nicht richtig sympathisch sind, mit denen ich nicht in allen Phasen mitfühlen will. Es macht mir nix aus, wenn mir nicht der Ruf nachschallt: ach wie nett! Ich werde mich freuen, wenn ich mit Leuten zu tun habe, die gut aussehen, eine angenehme Stimme haben, einfach mich wärmen, wenn ich mit ihnen zu tun habe. Das verbindet sich mir mit Liebe, Leute, die ich nicht verlieren möchte, was nicht mit körperlicher Leidenschaft eihergehen muss.
Ich bewundere Leute, die von Beruf wegen nett sein können- Bundespräsident Köhler fällt mir ein, aber auch Verkäufer oder mal ne Bedienung.
Ich denke Nettigkeit lässt sich eher lernen als Herzenshöflichkeit.

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4 Kommentare zu „Ach wie nett

  1. ich habe neulich mal aufgeschnappt, dass wir zu den leuten, die politisch/ideologisch ähnlich wie wir ticken, schneller oder natürlicher empathische gefühle entwickeln können. zu gegenteilig-fremd tickenden nur schwer.
    das war wohl so eine studie in bezug auf hilfsbereitschaft, wem helfe ich lieber, dem ähnlichen oder dem fremden?

    ich bemühe mich um respekt zu allen, aber nett zu allen bin ich wohl auch nicht. und nein, auch sind mir nicht automatisch alle sympathisch 🙂

    müssen sie das denn?

  2. Das ist aus sozialpsycholigischer forschung her ein sehr interessanter Beitrag, liebe Blinky. Du hast schon intuitiv etwas Schönes ausgesprochen: Ist Sympathie vielleicht, dass man mit jemandem mitfühlen kann? Ein wenig schon, ja. Sympathie entsteht aus einer unbewusst wahrgenommenen Ähnlichkeit zwischen einem selbst und der gegenüberstehenden Person. D.h. nichts anderes, dass man sympathisch findet, bei wem man Ähnlichkeiten findet, und das wiederum fördert natürlich die Empathie zur Person.

    Du fragst, ob man jemanden nett finden kann, den man nicht sympathisch findet. Auch das – denke ich – ist möglich. Der Effekt des 1. Eindrucks ist zwar ein sehr automatischer Vorgang [in der Alltagssprache würde man sagen „Bauchgefühl“], aber es gibt Menschen, die dazu in der Lage sind, auf der Verstandesebene ihre Asympathie nochmal zu überprüfen. D.h., was dir widerfahren ist, ist im Grunde eine Art „diskonformative Strategie“, das Bestreben, die erste Wahrnehmungstendenz mit dem Kopf zu korrigieren. [Vermutlich, weil du ein fairer Mensch bist.] Deshalb kommt es, dass du zwar vom Bauch her immer noch die Person unsympathisch findest, aber vom Kopf her die Information erkannt hast, dass sie eigentlich gar nicht so schlimm ist, sondern auch ganz nett.

    Ob man aus so einer Begegnung eine innige Freundschaft werden lassen kann, ist hier nun die Frage. Meine Prognose: Vorerst nein. Sobald die Person etwas bringt, was dir total missfällt, berufst du dich wieder auf deinen „berechtigten ersten Eindruck“.

    Ich wünsch‘ dir einen schönen Tag. ❤

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