Tempo

Ich war so begeistert, noch einen Plattenspieler zu besitzen, höre trotzdem selten Platten, weil man immer aufstehen muss, um sie zu bedienen. Jetzt habe ich wieder mal die schönen schweren Scheiben aufgelegt, und gemerkt, dass das Tempo nicht stimmt. Manche Platten hören sich dann furchtbar an. Was das Tempo doch so ausmacht. Vielleicht wird es wieder, wenn er eine Zeitlang läuft.
Heute auf einem Geburtstagsfest meiner Schwester habe ich auch gedacht, dass im Alter das Tempo nachlassen kann.
Manches war mir vertraut, manches auch fremd, vielleicht wenn man die Geschwister öfter sehen würde, ohne dass einer so einen Festtagsstress hat. Jetzt hat meine Schwester schon seit Mittwoch gefeiert und ihre Tochter mit ihrer Familie hatte viel zu helfen.
Ich werde darüber nachdenken, in welcher Form man sich treffen kann, feiern kann, ohne in so gesellschaftlichen Gleisen zu laufen und ohne dass die Kinder mit Stress haben.
Es ist ja auch so, dass ich nicht mehr, wie in vergangenen Jahre meine Runden um einen Sportplatz drehe, es mir dann auch an Tempo fehlt….

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6 Kommentare zu „Tempo

  1. die analogie plattenspieler-tempo und lebenstempo ist spannend.

    gesellschaftlicher stress sollte nicht sein. hm. je näher mir die leute sind, desto weniger stress machen besuche. die eigene unzulänglichkeit (nicht perfekte gastgeberin zu sein) muten wir eben nicht so gerne anderen zu, dabei würde es ja auch ein einfacherer umgang tun – vielleicht wäre es dabei sogar allen wohler?

  2. Ja man isst dann meistens auch zu viel. Irgendwie kommt bei mir oft ein Punkt, wo ich 3 Teller Nachtisch essen könnte. Wenn das Essen so knapp wäre, dass Leute Angst haben, nicht genug zu bekommen, oder wenn man irgendwas machen müsste, damit man etwas essen kann? Manche Leute kennen nach oben hin gar keine Grenzen…mehr und teurer- man ist schließlich wer, der es sich leisten kann.

  3. Ach weißt du, ich mag es sehr gerne, wenn du so natürlich, teils unbeeindruckt teils neugierig beobachtend den normalen Alterungsprozess beschreibst. Es ist so, als würde man einem schönen Film über das Leben einer bestimmten Person folgen. Das Tempo wird langsamer, aber eigentlich, wenn man sich dann wieder seine Verwandten ansieht, hat man doch das Gefühl, die Zeit vergehe wie im Flug, weil man dann merkt, wieviel man in ihrem Leben verpasst hat. Das Leben ist schon seltsam …

  4. ich denke, wenn man in einer großen Familie leben würde, gäbe es vermutlich täglich mal Ärger, aber man hätte mehr Personen, mit denen man ein „wir“ Gefühl aufbauen könnte. Alle so an einem großen Tisch, das gefällt mir bei Filmen.. dann auch noch meist bei Sonne im Garten im Süden und mit Lachen und Singen.

    1. Ja, ich weiß genau, was du meinst. Diese Idylle vermissen wir glaube ich alle – die einen mehr, die einen viel weniger. Aber selbst ich, der Familienmensch schlechthin, weiß auch, dass ich den Rückzug brauche, ich würde ihn vermissen. Und ich frage mich, ob das normal ist, ob dieser neue Egoismus, dieses Sicheinkreisen, ob das normal ist. Ich weiß es nicht.

      1. Du hast recht, ich sehe auch Probleme bei der Idylle: meist habe einzelne Frauen alle Zeit dran gehängt, damit das funktioniert, hatten dabei nicht das Gefühl, hier der Dummschambel zu sein und zum zweiten, was noch schlimmer ist, oft haben besoffene Onkels sich das Recht rausgenommen, die Mädchen ein wenig zu betatschen. Ich denke, heute will sich „Frau“ nicht mehr so ohne weiteres in Dienerinnenrolle begeben, was auch gut ist. Wie immer.. das Maß…der gesunde Mittelweg…

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