Ratschläge

Manchmal kann ein Ratschlag verletzend sein. Ich erinnere mich, wir hatten ein altes oft leicht verstimmtes Klavier, mit dem meistens meine Mutter unsere stockelig gesungenen Weihnachtslieder unterstützt hat, auf dem sie aber auch manchmal Stücke von Mozart spielte. Mir hat das immer gefallen, ich bin auch nicht sehr musikalisch. Meine Oma hat aber manchmal gerufen: „jetzt hör schon auf“! Oft habe ich darüber nachgedacht, warum sie das gemacht hat. Haben sie kleine Fehler gestört, das laienhafte Geklimper? Würde sie das gleiche zu mir sagen, wenn sie meine Bemühungen im Atelier sehen würde? Wenn man seine künstlerische Arbeit nicht schnell und teuer verkaufen kann, wird man gern belächelt. Voll krass ist das auch bei den Sendungen mit Starsuche. In ihrem Wunsch, durch besodere Leistungen berühmt werden zu können, nehmen Menschen in Kauf, dass man über sie lacht. Da denke ich manchmal (ich gestehe, dass ich das höchst selten sehe) wäre der Ratschlag: „jetzt hör schon auf“ zwar im 1. Moment schmerzlich, aber doch nicht so unverständlich.
Ich bewundere Stars wie A.S. Mutter, die nicht aufgehört haben, zu üben und dadurch ihr vorhandenes Talent perfektioniert haben. Ich habe gerade diese Mozartsonaten mit Klavier gehört, sie steht in einem goldenen Seidenkleid und das Zusammenspiel zeigt perfekte Harmonie. Der Pianist heißt Orkis.
Aber ich denke, es ist ähnlich wie beim Sport: nicht nur der Spitzensportler sollte sich bewegen. Nur ist da halt die Leistung besser messbar: jemand, der sehr langsam ist, würde sich nicht als Weltmeister fühlen, was manchmal im künstlerischen Bereich peinlich sein kann.

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10 Kommentare zu „Ratschläge

  1. Gerade bei der Musik ist es mir aufgefallen, als ich eine ganz großartige Geigerin erlebt habe, dass Kunst da anfängt, wo der Mensch hinter seine Kunst zurücktritt. Diese Geigerin war nur Musik, ganz aufgelöst in das, was sie spielte. (diese Starsuchshows sind vermutlich das exakte Gegenteil davon).

    1. Ja und dass 2 Menschen so miteinander harmonieren können! Sonntag habe ich eine Sängerin gehört, die ganz aufgelöst war in den Wagnerliedern, was mich dann allerdings nicht begeistern konnte. Beim Gongen bemüht man sich um eine Mischung aus fest und locker, beim Zeichnen nach der Natur übrigens auch.

  2. Das sind wichtige Dinge, die du ansprichst, nämlich dass Kunst schwer zu bewerten ist ab der Schwelle, in der das Handwerk als „unwichtig“ deklariert wird und die völlige Freiheit, zu „matschen“, wie man will, gefeiert wird. Ich glaube, die Balance dazwischen ist wichtig. Nur freies Rummatschen auf der Leinwand – das kann ich auch. Im Nachhinein da etwas hineininterpretieren, das kann ich auch. Ich habe letztens mit meinem iPhone 1000 Filter und Apps genutzt, und dabei ist ein sehr interessantes Gebilde bei rausgekommen, aber ich kann es nicht Kunst nennen, denn es war ein Zufallsprodukt. Andere hingegen sagen: „Ein Zufallsprodukt gibt es nicht, das ist das Abbild meines Inneren.“ Gut, sag‘ ich mir, dann ist es das eben, aber das Innere hätte ich ja dann auch einfach erzählen können.

    Es bleibt eine schwierige Sache, die Frage nach der Kunst zu beantworten. Für mich gibt es noch keine endgültige Antwort, doch ähnlich sehe ich es wie Mützenfalterin, dass der Künstler besonders leuchtet, wenn er sich zurücknimmt, weil das, was er schafft, viel größer ist als er selbst oder die „Summe dessen, was er im Inneren so sieht“ … Kunst ist etwas, das anderen sehr viel gibt; und ich finde, die Interaktion mit der Gesellschaft, mit dem, was die Verbindung zwischen Ich und anderen ausmacht, ist dabei auch sehr wichtig.

    Deshalb komme ich immer wieder zu einer etwas arroganten Haltung, wenn ich „Hausfrauenkunst“ betrachte, die unzähligen Blogs der „Selbstverwirklichung“. Und immer wieder erschleicht sich mir die Ahnung, dass Kunst zwar auch Selbstverwirklichung ist, aber dass dieser Punkt nicht die Essenz sein darf – nach meinen Kriterien – … Ich kann’s leider nicht in Worte fassen.

    Bei der Musik ist es schwieriger. Ich habe in meinen jungen Jahren Klavier gespielt, und ich kann dir sagen, Rummatschen geht nicht, du kannst improvisieren, daraus eine Melodie entstehen lassen, aber Melodie bedeutet auch immer Systematik – also Wiederkehrendes – … Und es bedeutet auch, dass du dazu in der Lage sein musst, das Lied in deinem Kopf so umzuwandeln, dass andere dabei fühlen, was du beim Beobachten einer TV-Nachricht über neue Kriegsopfer gefühlt hast.

    Oh, was für ein bescheuerter Kommentar. Tut mir Leid, Blinky.

    1. ich finde deinen kommentar auch nicht bescheuert, liebe sherry. dazu sagen will ich noch: herumappen und dabei etwas schönes entstehen lassen, ist in der tat auch kunst. denn das handling der apps ist auch eine art kunsthandwerk und mancher künstler, den ich schon nach seiner arbeitstechnik fragte, sagte: ein teil ist absicht, aber vieles ist „zufall“, entsteht aus dem moment. auch bei geschichten fangen die figuren eigendynamisch an zu handeln. dass das beim musikalischen improvisieren nicht ganz gleich ist, glaube ich hingegen gerne.

      das thema selbstverwirklichung ist ein weites … hach. ja. aber ich maße mir nicht an, da etwas zu werten. letztlich weiß ich ja nicht, was der oder die andere für einen „lebensplan“ hat …

      spannend alleweil, was wir hier diskutieren.

      herzlich, soso

      1. Liebe Soso,

        ich weiß nicht, wie das bei Profi-Appern ist, aber für mich ist das, was ich gemacht habe, keine Kunst, weil für mich – also meinen Teil – das Wischen mit dem Finger kein Handwerk an sich ist. Bei Photoshop hingegen muss ich viel mehr „grafisch denken“, bis ich einen bestimmten Effekt hinbekomme, da könnte man ein wenig von Handwerk sprechen, auch von Zufall, aber eben doch mit mehr Absicht als Zufall (was jetzt kein Kriterium für Kunst sein muss).

        Ich kann natürlich nur von meinem Ge-Appe reden, wie die Profis das machen, ist außerhalb meiner Reichweite, das kann ich nicht beurteilen. Ich find‘ nur Malen und Zeichnen, Konstruieren und Komponieren oder auch Schreiben etwas schwieriger als Appen.

        Oder einfache SW-Fotografie mit schweren, bedeudungsvollen Inhalten, mit dem Einfangen von Augenblicken des Zweifels, der Angst und der Not oder auch jener der Menschlichkeit, das ist für mich zeitlos. Ich glaube, Zeitlosigkeit ist auch wieder so’n Kriterium, was Kunst für mich ausmacht. Schwieriges Thema … 😀

      2. ich will dir ja auch nicht einreden, dass du kunst schaffst 😉

        ja, ein endloses thema und eins, dass kaum eine befriedigende „letzte“ definition ermöglicht. spannend trotzdem.

        dass nur „bedeutungsvolle“ inhalte (was auch immer das ist!) kunst wären, kann ich nicht unterschreiben. ausser wenn bedeutungsvoll nicht als synonym von problematisch und dramatisch gemeint ist.

        herzlich, soso

      3. Ich denke, das mit Bedeutung hat Sherry bezüglich dieser schönen alten Fotos gesagt. Ich kann verstehen, wenn man bei der Fülle der möglichen Farbmachwerke, mit denen man schon mal konfrontiert wird, schon mal zu stöhnen anfängt. Deswegen übermale ich oft, um die Anzahl im Bereich der Erträglichen zu halten. 🙂

  3. Also rummatschen nervt, wenn jemand extrem gut ist und dann locker wird, ist es was anderes wie der, der beginnt mit dem Hintergedanken: was der kann, kann ich auch. Wenn eine Melodie auf dem Bild entsteht, Wiederkehrendes da ist, dann ist es meist nicht schlecht.
    Ich finde Deinen Kommentar nicht bescheuert. Das ist ja auch irgendwo bereichernd, dass die Kunst so viele Fragen aufwirft, immer wieder zum Nachdenken reizt.
    Ich selbst kann nicht gut nach Plan arbeiten, brauche Zufälle als Anregung, würde aber das Ergebnis eines umgefallenen Farbtopfes nicht gern ausstellen. Ich werde mal wieder ein Machwerk fotografieren, das mir viel Fragen stellt.

  4. das ist ein großartiger artikel, der total ermutigt zum selbstausprobieren, auch da, wo wir an unsere grenzen kommen. wie beim yoga: immer ein bisschen weiter dehnen. auf einmal werden wir beweglicher.

    oh ja, kritik kann ganz schön die moral untergraben. meine mutter nörgelte immer, wenn ich flöte übte (auch als junge erwachsene, wo ich „richtige stücke“ gespielt habe). und irgendwann habe ich dann aufgegeben. das passiert dann … schade.

    (falls ich dich gestern mit meinem weihnachtsmuffeligen kommentar verletzt haben sollte: das war nicht absicht. ich habe nur einfach immer so einen weihnachtsgroll, dass der manchmal an völlig unerwarteter stelle herausplatzen muss …)

    die zahl der klicks für uns bloggerInnen ist ungefähr, was für den maler und die fotografin die verkaufszahlen bedeuten. wir messen fälschlicherweise unseren kunstwert an solchen nicht wirklich relevanten zahlen. kunst hat doch ihren daseinzweck längst dadurch erreicht, eigentlich, dass wir sie praktizieren. eigentlich. aber eben …

    herzlich, soso

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