Allein

Ich bin ja eigentlich die Spontanschreiberin, vom Kopf gleich in die Tastatur, aber wenn man eine Schriftstellerin im Haus hat, klappt das nicht immer.
Ich war hinaus in den Schnee getappt, weil die Sonne schien, um zu fotografieren. Da gingen mir Worte von Sherry durch den Kopf: „manchmal ist man wirklich ganz alleine, bzw. ist es vielleicht nicht, aber fühlt sich so, fühlt sich enttäuscht, im Stich gelassen – was weiß ich was. Es ist wichtig, dass wir lernen, auch selbst klar zu kommen, nur so können wir uns von absoluter Abhängigkeit schützen.“
Ich dachte: in den Momenten, in denen ich durch die Gegend gehe, mein Blick durchkämmt das zu Sehende nach Festhaltenwertem, was etwas im meinem Innern anspricht, empfinde ich eine angenehme Einsamkeit.
Wie oft habe ich bei Fahrten mit dem Kunstverein bedauert, dass ich bei den Museumsbesuchen nicht in der Lage war, mit dem Gesehenen richtig in Kontakt zu treten, weil all die Leute um mich waren.
Diese Konzentration erfrischt mich und ich merke, wie manches in meiner Umgebung mich nerven kann. Seit einer halben Stunde macht sich mein Mann durch wildes Knistern mit der Zeitung bemerkbar.
Ich fürchte, ich kann mich nicht richtig ausdrücken- habe ja schon mal davon gesprochen, dass die eigene Vorstellung das Gesehene verändert, was uns dann besser gefällt. Bei dem Künstler Stefan Rinck habe ich ein Bild gefunden, das zu dem Thema passt. Es heißt „Haluzzi der Neonkäfer“.
halkl
Ich finde das so Klasse, wie er die Veränderung der Umwelt durch den Blick dargestellt hat. Der gleiche Bildausschnitt hat nach einer halben Stunde in der Landschaft umherstreifen wieder eine andere Anmutung.57kl

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6 Kommentare zu „Allein

  1. Das ist aber sehr schön, wie die beiden Bilder hier Kontakt zueinander aufnehmen. Ja. Das kann man aber auch schwimmend erleben. Also im Wasser.

  2. Äh, das war jetzt vielleicht ein bisschen missverständlich. Ich meine nicht, dass man im Wasser zuweilen auch Wälder trifft, sondern dass mir schwimmend zuweilen eine genügsame Einsamkeit begegnet. Wie eine sinnlose Lücke, in der Platz für Glück ist.

  3. liebe monika, das geht mir direkt ins herz, die sinnlose lücke mit dem platz für glück.
    ich mag ja deine wortgestalten sehr. dies hier ist genau hier und genau jetzt ein stück herzfutter. dankeschön!

    liebe u., diese impressionen und gedanken kommen bei mir auch sehr gut an. ich kenne diese springen von fülle in leere und alleinseinkönnen-wollen-dürfen sooo gut. sehnsucht. ah, die genügsame einsamkeit – auch so ein wort, das mehr als wort ist.

    liebe grüsse nach zwb, soso

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