Alles muss raus

Die Überschrift bezieht sich darauf, dass im Postkasten nicht mehr so viel Mails sind, die ein frohes und glückliches Weihnachtsfest wünschen, sondern der Alltag sich wieder breit macht. Das Fest vorbei, allerdings für mich noch nicht so ganz, weil ich mich nochmal auf das Kommen von D. freuen kann und mein Sohn St. auch noch da ist. Gestern haben wir M. wieder auf den Flughafen gefahren. Bei ihrer Ankunft hatte der Flieger Verspätung, was dazu geführt hat, dass wir dort auf der Toilette waren und mein armer Mann an diesem scheinbar sauberen Ort eine böse Darmgrippe gefangen hat, die ihm und natürlich damit auch mir zu schaffen machte. Obwohl man sich ja oft verbiegt im Zusammenleben, weil man fürchtet , die Unterschiede des Denkens doch nicht ausräumen zu können, macht einem die Furcht vor einer entgültigen Trennung zu schaffen.
Man vergisst ja auch schnell, was einem eigentlich so fuchtig gemacht hat. Man biegt um die Ecke gedanklich, es bleibt im Innern ein Schatten, geht den normalen Alltag weiter.
Manchmal ist ja Vergessen nicht so praktisch. Ich stelle den Weihnachtsbaum so ab dem 6.1. abgeschmückt auf den Balkon und hänge Meisenkugeln dran. Voriges Jahr ist der Ständer vom Frost auseinander gegangen und ich habe gedacht: soll ich jetzt einen neuen kaufen? Vergiss nicht, das im nächsten Jahr zu machen. Klar- der Baum steht- meine Tochter füllt Wasser in den Ständer…
Es ist nicht so vornehm, wie in dem Gedicht: le Vase ou meurt cette Vervaine.. aber im Ganzen steckt so ein Gedanke drin.
Ich hoffe, dass die Liebe, die ja in dieser Zeit groß geschrieben wird, die kleinen Zusammenstöße, die nicht ausbleiben, überdauert. Vielleicht ist manchmal „Um die Ecke biegen“ und manchmal darüber „locker sprechen wollen“ gut.
Da sieht man mal wieder mit vergessen: ich dachte, das Gedicht sei von Verleine, dabei ist es von Prudhomme

Le vase brisé

Le vase où meurt cette verveine
D’un coup d’éventail fut fêlé ;
Le coup dut effleurer à peine :
Aucun bruit ne l’a révélé.

Mais la légère meurtrissure,
Mordant le cristal chaque jour,
D’une marche invisible et sûre
En a fait lentement le tour.

Son eau fraîche a fui goutte à goutte,
Le suc des fleurs s’est épuisé ;
Personne encore ne s’en doute ;
N’y touchez pas, il est brisé.

Souvent aussi la main qu’on aime,
Effleurant le coeur, le meurtrit ;
Puis le coeur se fend de lui-même,
La fleur de son amour périt ;

Toujours intact aux yeux du monde,
Il sent croître et pleurer tout bas
Sa blessure fine et profonde ;
Il est brisé, n’y touchez pas.

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