Blitz und Donner

Das hat mich ja wirklich gewundert, dass es prompt in den Petersdom eingeschlagen hat. Es ist ja ebenfalls ein Ereignis, dass dieses Foto gelungen ist.
Ich kann mich erinnern, dass es in unserem Ort im Saarland einmal in die Kirche eingeschlagen hat, als ich zum Fenster hinaussah. Ich habe sogar noch den entsetzlich lauten Donner im Ohr. Unsere Nachbarin kam immer zu uns, weil sie bei Gewitter nicht allein sein wollte. Meine Oma hat erzählt, dass es in Oberschlesien, wo sie mal wohnte, einen Kugelblitz gegeben habe, der zum Fenster herein und auch wieder heraus gefahren war, ohne Verletzungen bei den anwesenden Personen zu bewirken. Meinem Vater, den ich kaum noch erlebt habe, weil er starb, als ich noch nicht 4 Jahre alt war, ist in den Bergen ein Freund neben ihm vom Blitz erschlagen worden. Das sind so die Ereignisse, die mir spontan einfallen.
Wenn es wirklich nah bei mir blitzt und donnert, dann habe ich auch etwas Angst. Einmal habe ich vor Schreck das Fensterputzwasser umgeworfen, der Donner kam so plötzlich und unerwartet und weckte in mir ein traumatisches Erlebnis während der Angriffe auf Dresden, als wir alle im Keller beieinander hockten voll Angst, mein Bruder noch mal raus gegangen war und in dem Moment eine Bombe ins Nachbarhaus schlug. Ich hielt ihn für verloren.
Beim 2. Angriff gingen meine Schwester W. und ich an der Elbe entlang Richtung unterirdischem Gewölbe als Bunker, als ein Rote Kreuz Dampfer neben uns auf der Elbe beschossen wurde. Wir hatten wirklich Glück, dass wir das überleben konnten. Ich wundere mich nicht, dass ich vor lautem Donner Angst habe. Es verbindet sich mir halt mit Bombenangriffen.
Als ich vor einigen Jahren noch einmal diesen Weg an der Elbe ging, sah ich, dass gerade dort ein Kriegsdenkmal gebaut worden war. Manchmal bin ich mir unsicher, ob man überhaupt noch von diesen Ereignissen reden soll, sich erinnern soll? 68 Jahre auf den Tag ist das jetzt her mit den Angriffen auf Dresden- kein Wunder, dass ich mich erinnert habe, wenn der Ausgangspunkt auch damit nichts zu tun hat, sondern mit der plötzlichen Abdankung des Papstes.
Ich wollte noch was zu dem Artikel zufügen. So unwahrscheinlich es ist, genau den Blitz in den Petersdom zu fotografieren, so unwahrscheinlich ist es, einen Granateinschlag in einen Unterstand zu fotografieren. Das hat mein Opa im 1. Weltkrieg gemacht. Ich habe das Foto in einem Album gefunden und mich immer wieder darüber gewundert.
bomb

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4 Kommentare zu „Blitz und Donner

  1. Liebe Blinky …

    Danke, dass du mit uns deine Erinnerungen geteilt hast. Viele aus unserer Generation haben den Schrecken des Krieges nicht erlebt und bekommen ihn nur am Rande mit. Ich habe ihn noch erlebt, aber da war ich vielleicht zu klein, als dass ich mich erinnere, wobei ich mir sehr sicher bin, dass ich mich an die Angst im Raum erinnere, als Bombenalarm war, Knalle und Schüsse zu hören waren und Teheran total im Chaos war. Ich bin so froh, dass ich Papa sich damals sehr schnell entschied, uns fortzuschicken und nachzukommen.

    Ich bin immer wie paralysiert, wenn mir Menschen vom Krieg erzählen. Es ist, als hörte ich einer Geschichte zu, die einfach nicht hätte sein dürfen und dennoch ständig gegenwärtig ist und uns aufzulauern scheint.

  2. verrückte zusammenhänge und erinnerungen … ich danke dir fürs teilen. ich bin da viel zu weit weg und habe diesbezüglich ja (und dafür bin ich dem leben dankbar) keine eigenen erfahrungen.

    nicht, dass ich deine erinnerungen schön finde, aber solche (kollektiven) erinnerungen sind wohl wichtig, damit eine gesellschaft sich weiterentwickeln kann.

    mir gehts zwar bei gewittern nicht so, wie du schreibst, aber bei feuerwerken – da sehe ich immer die flüchtlinge vor mir, mit denen ich mal gearbeitet habe. wie sie am 1. august (schweizerischer nationalfeiertag) zusammengezuckt sind und regelrecht gelitten haben. und das feuerwerk war ziemlich weit weg!

    solcherlei traumata lassen sich nicht so einfach abschütteln.

    herzlich, soso

    1. Ich hoffe und wünsche, dass Kinder nicht in solche Situationen kommen. Gut, man muss ihnen nicht jedes Steinchen aus dem Weg räumen, aber es ist schön, wenn sie in Geborgenheit und freundlicher Atmosphäre aufwachsen können. Ich erinnere mich gern an die wenigen Schultage, die ich in Dresden- d.h. genauer Hosterwitz bei Pillnitz- erleben durfte- nie mehr später war Schule so schön. Auf dem Schulweg bin ich mit Begeisterung um die Blumenrondells im Pillnitzer Schlossplatz gelaufen.

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