Großmutter

Es ist so viel über Großmütter geschrieben worden, Ulli hat Fotos und Texte so schön zusammengestellt, da wäre ein Beitrag von mir gar nicht mehr nötig.
Trotzdem: meine Oma war auch eine tolle Frau, mutig war sie, sie machte wenig Worte über ihre Leistungen und Erlebnisse. (1. und 2. Weltkrieg und Polenputsch)
Man hörte auch nichts von diesem Erlebnis, dass ein Mensch, den man als für Deutschland richtig und tüchtig einschätzte, dann auf einmal sich als ein verachtenswerter Mensch herausstellte.
Vertrackt und schwer zu ertragen.
Warum ich heute von meiner Oma schreibe, ist, weil ich selbst in dem Alter bin, in dem ich sie als Oma noch gut in Erinnerung habe. Wenn ich dann lese, wie selbstlos beim Aufbau des zerstörten Landes geholfen wurde, frage ich mich: bist du auch selbstlos und hilfsbereit? Solltest du es sein? Sollen alte Leute ihr EGO zurückstellen? Mit wenigem zufrieden sein? Irgendwo in der Ecke sitzen und stricken?
Ich denke, mir ist doch einiges verloren gegangen, weil meine Kindheit von Krieg und schlechten Zeiten gestört war, ich damals mein Ego zurückstellen musste und mein eigener Geschmack sich nicht entwickeln konnte, dass ich mich jetzt ruhig egoistischer als die eigene Oma verhalten kann.
Trotzdem: eine so super tolle Oma gehabt zu haben, macht mich stolz und irgendwo bleibt sie doch ein Vorbild für mich.
Als sie so um die 100 Jahre alt war, sagte sie manchmal: „und dann stirbt man nun nicht“ oder: „der Tod hat mich vergessen.“
Sie hatte so schöne Hände!

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3 Kommentare zu „Großmutter

  1. ach, liebe Blinkyblanky, was für ein zu Herzen gehender Text … hab vielen, vielen Dank!
    Und weil ich nun doch weiter sammel, möchte ich dich fragen, ob ich diesen Text kopieren darf …

    es gibt ein Bild im Memorandum von einer Großmutter, die meine Nachbarin ist, es ist die alte Frau auf der Bank nach dem Text „Warten“, sie wartet wirklich und wie oft hat sie schon gesagt: der Herrgott hat mich vergessen … als ich gestern in ihrer Küche saß, erzählte sie mir die ganze Geschichte und die Antwort auf diesen Satz, den nämlich IHRE Großmutter einst sagte und ihr Enkel, der ein Franziskaner geworden war, antwortete: der Herrgott vergisst niemanden …
    auch wenn ich nicht katholisch oder christlich orientiert bin, hat mich dies dann doch sehr berührt … da steckt viel Weisheit drin –

    Spiritualität kennt keine Konfession 🙂

    nochmals danke und herzliche Grüße
    Ulli

  2. Zu alten Leuten gehen und mit ihnen reden ist für beide gut.
    Schön , dass Dir der Artikel gefällt, freilich kannst Du ihn in Deine Sammlung aufnehmen. Sollte mir ein für mein Erachten passendes Foto über den Weg laufen, schicke ich es Dir per Email. Mit Grüß von Blinky

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