Haar in der Suppe

Sicher ist was Wahres dran, dass Leute meines Alters ihre Jugenderlebnisse nicht richtig verarbeitet haben. Oft finde ich ein Haar in der Suppe, kann mich nicht ohne Sorge freuen. Denn man hat in der schlechten Zeit schnell was auf den Deckel bekommen, wenn man ausgelassen froh war, das hat nicht in die pessimistische Grundhaltung gepasst.
Meine Schwester hat mir ein Buch: „Kriegsenkel von Sabine Bode“ geschenkt, das sich damit beschäftigt, dass all das auch noch die um 1970 geborenen Kinder belastet und für Konflikte verantwortlich ist.
Soll man so etwas lesen? Meine Schwester will, dass ich das lese wegen der Verarbeitung. Meine andere Schwester hat mir auch ein familiengeschichtliches Buch geschenkt, das ich nur halbherzig gelesen habe, es ging um einen Offizier und eine sogenannte bessere Familie.
Eigentlich finde ich, die Fähigkeit zu vergessen ist gar nicht so schlecht, das sollte man nicht vergessen.
Es ist aber jetzt eine Zeit, wo solche Themen gerne aufgegriffen werden. Wenn ich selbst das nicht gern lese, zeigt es vielleicht, dass ich die Beschäftigung mit den Problemen in der Art, wie sie zu Papier gebracht werden, nicht für hilfreich halte, zeigt aber auch, dass es bei meiner Generation, die zwischen 70 und 80 Jahren, jetzt ein Bedürfnis gibt über die alten Zeiten zu reden, und zu versuchen zu verstehen, wie alles so blöd laufen konnte und wie es sich entwickelt hat, und welche Probleme vielleicht heute noch darauf fußen.

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4 Kommentare zu „Haar in der Suppe

  1. liebe Blinkyblanky,

    Frau Bode hat insgesamt 3 Bücher zu diesem Thema geschrieben, ich habe sie im letzten Jahr, aufgrund des Großmutterprojektes, alle gelesen und fand doch das eine und andere erhellend, auch für mich selbst.
    Aber ob man das muss oder soll, ist eine ganz andere Frage. Manches möchte vielleicht wirklich einfach nur ruhen oder vergessen werden, es kommt doch bei dem Blick zurück immer darauf an, ob es ein eigenes Anliegen, aufgrund von gegenwärtigem Leiden (z.B.) gibt oder nicht …

    herzliche Grüße Ulli

    1. Danke für die Antwort. Ich denke auch, dass Brauchbares drin ist. Aber welche Reaktion gab es bei mir? Ich versuchte, mich zu erinnern, wie die Zimmer meiner Kinder eingerichtet waren und welche Kleidung sie hatten, ob sie den richtigen Status nach außen hin darstellen konnten und was ich so alles falsch gemacht habe. Dann habe ich zugeklappt und gedacht: das brauche ich eigentlich nicht, meine Kinder sind doch mit mir zufrieden.

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