Herz

„Das Herz auf dem rechten Fleck haben“- was meint man damit? Wo ist der rechte Fleck? Wie bekommt man es dahin?

Wenn man sich ängstlich umschaut und fragt: wie machen die „?ANDEREN?“ das? Machen die alles richtig?

Ins Atelier kommt zu mir ein 5 jähriges Mädchen, das ich so richtig ins Herz geschlossen habe, weil sie herzlich und zugleich temperamentvoll ist. Ich stelle mir die bange Frage: wie könnte man so etwas in unserer Zeit fördern? Wer wird sie so umformen, dass sie diese tollen Eigenschaften dann verlieren wird?

Meine älteste Schwester, die letzte Woche gestorben ist, war eigentlich auch ein sehr herzlicher Mensch. Was mir weh tut, ist der Gedanke, dass sie ihre Herzlichkeit an Leute verschwendet hat, die das eigentlich gar nicht verdient haben, deren Herz längst zu Stein geworden ist. Über 50 etwa 80jährige schwarz gekleidete Menschen waren da, deren Ausstrahlung mir weh getan hat.

Wie wichtig war es meiner Schwester, sie einzuladen, zu bewirten, um ihre Zuneigung zu bitten!

Die sogenannte bessere Gesellschaft! Sind das nicht die Leute, die durch neidvolle Blicke auf andere ihre echte Herzlichkeit verloren haben, die sich zu sehr in einem Korsett haben einschnüren lassen?

Jeder hat dann noch so eine kleine Ecke an Unvernunft- meine Schwester liebte es, mit anderen „Unvernünftigen“ vor der Tür zu rauchen und zu lachen- andere steigen auf ein Motorrad, weil da Kindheit atmet.

Was mir gut gefällt, ist, was meine Tochter gerade macht. Sie läuft beim Schreiben nicht in erfolgsversprechenden Schienen, sondern schreibt einen Text wie ein einziges großes Fragezeichen in eine Welt, die durch Mangel an Herzlchkeit aus den Fugen gerät.

4 Kommentare zu „Herz

  1. Oh, ich liebe diesen ganzen Artikel. Du schreibst mir so was von mitten aus dem Herz (meins ist links, was hoffentlich beiir der rechte Fleck ist!).
    Diese verdammte Anpassung ist ja do kontraproduktiv und kreativitätsschädigend! Gut, dass du dir deins bewahrt hast!!

    Das mit deiner Schwester habe ich unmittelbarst mirbekommen und ich bin gedanklich oft bei dir. Eine Art temporäre Schreibhemmung hat verhindert, dass ich dir mein Mitgefühl geschrieben habe. Aber es ist und war da – sehr unmittelbar.
    Ich drück dich.

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