Perplex

Die Gongstunden sind jetzt wieder im Atelier. Ich hatte an der Wand auch kleinere Bilder aufgehängt und mich gefragt, ob eine Person mal etwas zu meiner Arbeit sagen würde. Es kam die Frage, ob das mein Atelier sei und am Schluss sagte eine Frau was zu mir von schönen Farben. Ich nahm natürlich an, sie meine die Bilder, aber sie meinte meinen Pullover. Ich war leicht perplex.

Ich könnte noch mehr Beispiele erzählen, wo meine Erwartungen und die tatsächliche Reaktion weit auseinander lagen.

Ich denke, man schickt seine Wünsche auch oft in eine falsche Richtung. Eine Künstlerin, die für mein Gefühl sehr furchtbar malt, ist sicher stolz, sagen zu können, dass sie in der Universitätsklinik ausstellen kann. Den Leuten mit Zahnweh, die dort auf den Gängen warten, wird die Konfrontation mit dem Geschmiere sicher nicht die Schmerzen lindern.

Was ich eigentlich doch nicht ganz gut durchdacht in meinem Kopf sagen will, dass das, was man gut gemeint „Anderen“ mitteilen möchte, was man so interessant findet, dass es dern  „Anderen“ weiterhilft, diesen „Anderen“ oft nur langweilt.

Da gab es eine Aktion “ Kunst im Schaufenster“, was eigentlich nur peinlich war.

Ich habe auch schon mal in einem Krankenhaus ausgestellt, bei der Eröffnung waren so viel Leute da, dass der Kleiderständer umgefallen ist……dann später bei Ausstellungseröffnungen sind weniger gekommen. Sie haben gedacht: „ich kann mir vorstellen, was gezeigt wird, habe da gerade zufällig etwas Besseres vor oder es gibt dort guten Kuchen, da geh ich lieber hin.“

Zum Abschluss dieses Chaosschriebs: ich glaube, es liegt nicht nur an mir und meinen Bildern, dass die Verbindung von Kunst und Öffentlichkeit in einer Kleinstadt so schwer ist.

Als ich mit anderen zusammen vor etwa 30 Jahren den Kunstverein gründete, machte ich eine Radierung mit der Schrift: „in Zweibrücken soll Kunst wachsen“, trotz aller Bemühungen, ist meiner Meinung nach wenig bis gar nix gewachsen. Nur die Zahl derer, die mehr oder weniger gute Kunstwerke ausstellen wollen, ist gewachsen und unter diesen eine gewisse Zickigkeit und etwas Neid.

Da kann man auch „perplex“ sein, wenn die Erwartungen an die Umwelt und die tatsächliche Reaktion auf die eigene Arbeit so weit auseinander klaffen. Man kann sich da echt wie ein „Idiot“ fühlen, wobei ich schon wieder bei meiner Tochter Gedanken bin, die im obigen Artikel so fragend in die Kamera schaut.

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8 Kommentare zu „Perplex

    1. Da hast Du recht. Aber, wenn ich mit einem Kunstwerk etwas sagen will, sollte es auch möglich sein, dass jemand zuhört.
      Ich bin gespannt, ob Du Ms neues Buch liest.

  1. Kunst an sich wird heute unterbewertet, ihr Beitrag zur Kultur als Luxus wahrgenommen, nicht als Notwendigkeit. Einige Künstler jedoch werden wiederum überbewertet. Letzens war so ein 18-Jähriger Schnösel bei Stefan Raab, der wirklich nur Pinselstriche hinklatschte und seine Bilder in den Emiraten verkaufte. Sobald man dann etwas Geld hat, kann man sich eine Ausstellung in New York oder London leisten. Sobald man in New York oder London ausstellt, denken Kunstliebhabe, man müsse richtig talentiert sein, um es bis hierhin geschafft zu haben. Sobald man diese Vorannahme von jemandem hat, interpretiert man in die Bilder so viel rein, dass man meint, sie seien jeweils 20.000€ wert.

    Man hat mal den Test gemacht und hat einen Affen pinseln lassen und das Bild im richtigen Ambiente ausgestellt. Die Leute waren bereit 50.000€ für seine Bilder zu zahlen. Und hier wären wir auch wieder bei dem Grund dafür, warum Kunst von vielen unterbewertet wird: weil man den Nutzen eines Werkes nicht erkennen kann, wenn doch der Wert eines von einem Kleinaffen gemalten Gemäldes anscheinend schon dazu in der Lage ist, Kunstkenner hinters Licht zu führen. Schwierige Geschichte.

    1. Liebe Sherry, es läuft tatsächlich auch sehr verlogen im Bereich: hochloben und teuer verkaufen können. Wie überall, wage ich zu sagen. Was mich wundert: bei Kleidung achten die Leute auf Farben, bei Bildern sind sie oft blind dafür.
      „Kunstkenner“ sind oft arme „Mietmäuler“.Aber wenn sich einige zu Absprachen zusammentun, die richtigen Leute bei Öffentlichkeitsarbeit kennen und schmieren, dann können sie was erreichen. Aber will man wirklich so berühmt und teuer werden? Eher sollte Leistung erkennbar und anerkannt werden.

  2. Danke für den Link. Gerade heute habe ich mich mit jemand unterhalten über Wahnsinnspreise, die manche für Kunst mit großen Namen zu zahlen bereit sind. Das Buch macht einen interessanten Eindruck, hole es wahrscheinlich doch als Ebook, weil ich meiner Leseausdauer nicht traue.

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