Alte Zeiten

Von Zeit zu Zeit schaue ich halt auch in die Winkel des Hauses, wo sich zum augenblicklichen Zeitpunkt nicht genutzte Sachen befinden. Im Innern wütet der Gedanke :     „schmeiß doch alles einfach weg“, aber dann wird doch wieder nur weniges weggeworfen.

Arbeit ist dieses Umsortieren schon. In der 1. Minute mit dem Staubsauger ist ein dreieckiges Holzstück in das Rohr gerutscht und hat eine riesige Verstopfung hervorgerufen.

Beschäftigungstherapie.. der Gedanke ist mir auch gekommen, als ich die vielen Fotos von inzwischen übermalten Bildern in der Hand hatte. Gut, dass wir einen Ofen in der Wohnung haben. Gut auch der Gedanke, dass die Bilder jetzt doch etwas besser sind.

Eigentlich hatte ich mehr zur Arbeit mit dem Stein geneigt, aber ein Tennisarm und verschiedene Gelenkschmerzen haben mich zum Pinsel greifen lassen.   Tongefäße, die ich in den letzten Tagen mal wieder aus alten rückgenässten Tonbrocken hergestellt habe, hoffe ich, wenn sie beim Brand nicht kaputt gehen, verschenken zu können.

Eine gewisse Traurigkeit ist in dem Gedanken, nichts Neues weiter herzustellen, sondern eher Vorhandenes aufzuräumen.

Was mir manchmal echt auf die Nerven geht, ist, wenn ich sehe, wie Leute mit Farben rumschmieren und ihr Tun so wichtig nehmen.

Der Trend geht ja eigentlich zum gut eingerichtetn Wohnen ohne Bücherschrank und mit weißen Wänden, die höchstens mal ein monochromes Bild ziert, oder eine Flächen, die von Zeit zu Zeit von verschiedenen Farben angestrahlt wird. Das Gedankliche wird zur Seite gelassen, weil man sich nicht sicher ist, ob man es richtig versteht. Man will sich mit seinem Geschmack nicht vor anderen bloßstellen.

Ich habe mich ja aus dem Kunstvereinsgeschäft zurückgezogen, weil ich mal beim Anblick eines Bildes einen Lachkrampf bekommen habe, was mir wirklich peinlich war. Was Ähnliches passierte mal bei einer Ausstellungseröffnung, wo ich mich abgequält habe, um zu seltsamen Bildern eine Laudatio zu halten und wo , was ich zuvor nicht wusste, auch noch Gedichte vorgetragen wurden. Es war ausgerechnet ein Gedicht über Tod, das diese unerwartete Reaktion hervorrief. Damals konnte ich aber so tun, als wäre ich zu Tränen gerührt.

Vieles ist mir bei der Arbeit in die Hände gefallen, das ich schon vergessen habe… ja, wenn man schon alt ist!! Gehöre vielleicht doch schon mehr in die alten Zeiten als in die neuen Zeiten :-).

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7 Kommentare zu „Alte Zeiten

  1. Ich gehöre irgendwie auch in die alten Zeiten. Schon immer. Ich kann dich so gut nachvollziehen, ohne dass ich „alt“ bin. Neben den klaren Sätzen schwingt immer so ein Unterton der Traurigkeit in deinen Zeilen. Und dann der Satz mit dem Geschmiere und dem Wichtignehmen: da musste ich plötzlich lachen.

    1. Weißt Du, bei welchem Bild ich so furchtbar lachen musste: grauschwarz mit einer sandigen Masse eine Hügellandschaft hergestellt, darüber mit Kohle einen weiblichen Akt gezeichnet, der auf einer Maiskolbenhülle saß, das Haarige des Maiskolbens bildete die Schamhaare der Frau, das Ganze hieß Ernte oder so ähnlich.
      Ich schmiere ja auch rum, schaue aber, dass die Farben einigermaßen nach was aussehen. Wenn schon nur im Wesentlichen Farbe, dann vielleicht ein schöner Farbklang und angenehme Bewegung der Farbflächen, man denke an Miro. Gerhard Richter hat auch oft schönfarbig geschmiert.

  2. Herrlich und herzlich mitgelacht beim Lesen. Narren und Kinder sagen die Wahrheit: „Der Kaiser hat ja keine Kleider“. Und wir nun wohl auch, wir „Neuen Alten“ … Kunst darf sich nicht zu wichtig nehmen.

  3. Wenn ich jetzt die Wahl habe zwischen Narren, Kindern und Alten, dann nehm ich doch vielleicht die Kinder. Wenn ich gefragt werde, wie mir dies oder das gefällt, denke ich: soll ich höflich oder ehrlich antworten? Da gehe ich dann auch nicht mehr soo gern auf Eröffnungen.

  4. Hm, die meisten Leute haben eigentlich schon aufgehört damit, zu fragen, wie einem das gefällt, das sie machen. Da herrscht eine gewisse Scheu. Entweder hohe Sicherheit oder sehr hohe Unsicherheit. Beides ist möglich.

  5. Und dann gibt es, auch bei der Arbeit, diesen Irrsinn der ständigen Feedback-Runden. Und es gibt Leute, die einem ständig „Feedback“ geben wollen, auf deutsch etwas wie „Rückfütterung“ vielleicht. Kworks. Auch beim Sport: Kaum kommt eine Vertretungslehrerin, wollen viele der Kursteilnehmer der armen Frau dann am Ende gleich mal Feedback geben…. „nur mal so als Feedback“…. brr. Mich schüttelts. Besser man sagt einfach: Danke.

  6. Die Befragten, ob ihnen denn dies oder jenes gefalle, antworten ja oft zaghaft, was ich verstehen kann. Schließlich will man nicht sagen: damit kann ich nix anfangen, es sagt mir nichts. Stattdessen kommt: „es hat was“ , eine Antwort, die eigentlich noch einer Übersetzung bedarf.

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