Ich und die anderen

In der Schule schon hatte ich oft das Gefühl, die anderen machen Dinge irgendwie besser als ich. Ich war ja auf einer Mädchenschule. Also dachte ich auch, sie sind schöner und beliebter bei Jungens. Verheiratet dachte ich manchmal, die anderen Ehen sind glücklicher als meine.

Wenn ich erkältet bin, habe ich Scheu, zur Kosmetik oder zum Zahnarzt zu gehen, weil ich denke, ich stecke die Leute an. Wenn ich die Schrammen am Auto betrachte, denke ich: wer weiß, ob das wirklich jemand Fremdes war, vielleicht bist du zu nah irgendwo vorbei gefahren und hast es nicht gemerkt.

Heute war ich mit meinem Mann beim Zahnarzt. Beim Warten merkte ich, dass jeder, der rein kam, erkältet war, ständig die Nase putzte und hustete. Als ich eine neue Münze für den Parkautomat holte, betrachtete ich die Autos und merkte, dass kaum eines  ähnlicher Bauart wie das unsere diese    Schrammen nicht hatte. Dann dachte ich an die Ehepartner ähnlichen Alters wie wir  und schlug innerlich die Hände über dem Kopf zusammen bei dem Gedanken, mit ihnen leben zu müssen. Es war nicht weit zur Erinnerung an das letzte Klassentreffen, wo mich das gespenstige Aussehen vieler Damen regelrecht geschockt hat. Gerade denke ich: heißt es gespenstig oder gespenstisch? und merke beim Nachsehen, dass es auch andere gibt, die sich das fragen.

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4 Kommentare zu „Ich und die anderen

  1. Herrlich das. Kenn ich bestens in ähnlichen und andern Bereichen.
    Vergleichen macht krank, endet in Gleichschaltung und macht uns farblos. Es lebe die Beule am Auto und die Macke des Liebsten. 😉

  2. Ja, aber das ist ja auch ein gutes Wissen… die Scheu ist auch richtig, und in Betracht zu ziehen, dass man nicht die einzige korrekte Person ist, sondern dass die andern auch Recht haben könnten – wichtig ist eben, dass man feststellt: Wann! Aber oft hat die Sympathie schon recht. Fast kann man entspannen.

    1. Es heißt ja im Sprichwort mit dem Balken im Auge, dass man den des anderen überbewertet vor seinem eigenen. Ich dachte, dass ich oft den eigenen Balken zu wichtig genommen habe. Ich denke aber auch, dass sich Ererbtes mit Anerzogenem gemischt hat, um Unsicherheit zu ermöglichen. Man darf auch nicht vergessen, dass ich doch oft eine Art Schmuddelkind war, das ist aber ne andre Geschichte.

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