Ausbrüten

Manchmal sagt man ja: „ich glaube, ich brüte eine Erkältung aus.“ Ich fühle mich in letzter Zeit so, als würde ich eine Entscheidung ausbrüten. Aber ich weiß nicht, welche Überlegungen genau mit dabei sind. Dann sitze ich nachdenkend herum und warte darauf, dass ich einen richtigen und guten Weg finde. Warten heißt aber zugleich: Zeit verplempern.

Gestern bin ich mit dem Zug von Lübeck zurückgefahren. Ich hatte so viel Zeit im Zug, da die Reise über 10 Stunden dauerte, hatte soviel Zeit zu verplempern, aber einem guten Rat oder einer guten Entscheidung bin ich nicht näher gekommen. Also bin ich weiter am Brüten. Es ist ja so, dass man nicht fitter und geschickter wird, wenn man älter wird. Lohnt sich das Malen, das keramische Arbeiten, wie geht es weiter? Sollte ich mich nur auf eine Sache konzentrieren und die dann besser können? Ich neige auch dazu, mich zu verzetteln.

Wäre eine WG nicht schlecht, eine andere Wohnung, weniger Arbeit im Garten? Ich hatte in Lübeck einen Freund aus Kindertagen getroffen, es war schön, von alten Zeiten zu reden. Mein etwas forsches Auftreten kann aber mich selbst nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich zur Zeit kein festes Ziel hab, außer dem, dass das Leben sich seinem Ende zuneigt.

Das sage ich nicht mit Selbstmitleid oder Traurigkeit, sondern weil ich nicht mal dies, mal jenes probieren kann, sondern nach der auszubrütenden Entscheidung den Weg dann bis Ende gehen würde.

Ich weiß noch von Leuten, die schon gestorben sind, dass sie auch überlegt habe: geh ich ins Altersheim und wenn in welches, mach ich es so oder so, und sind dann bis zum Ende in ihrer Umgebung geblieben.

Wie mach ich es richtig? Ich fürchte, da kann ich noch lange sitzen und brüten… ein „RICHTIG“ gibt es sicher nur in der Rechtschreibung.

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8 Kommentare zu „Ausbrüten

  1. Liebe Blinkyblanky,
    deinem letzten Satz stimme ich absolut zu.
    Zu allem anderen könnte ich jetzt jede Menge schreiben, weil ich mich gerade mal wieder intensiv mit Übergängen und Wandlungen beschäftige. Die Frage ist doch, ob du dort, wo du bist dich wohl fühlst oder unwohl … ob du deinen Garten liebst, dir aber ab und an Hilfe holst … und wieso nicht Keramik und Bilder, solange es läuft?
    Ja, solche Fragen würde ich mir als erstes stellen und dann gut hinhorchen. Grübeln ist zwar oft ein Anfang, führt nur leider meist zu nix.
    Und obendrauf streue ich dir nun noch ein paar Körnchen Mut für den Wandel, wie immer er aussehen wird, wohin immer er dich führt.
    Liebe Grüsse
    Ulli

  2. Wieso ist „warten“ „Zeit verplempern“? Warten ist … ein ganz wichtiger Teil meines Lebens. Was ich nicht zum richtigen Zeitpunkt tu, ist vergebliche Liebesmüh. Während des Wartens pflege ich den Müßiggang, der notwendig ist für nachfolgende Leistungen. Muße, die ich während einer Wartezeit habe, kann ich phantasievoll ausfüllen mit Nichtstun, Luftschloßarchitektur, Wolkenbildhauerei und Kraftbrunnentiefdenkbohren.

    Warten. Nicht immer sehe ich es als etwas gutes an, doch immer öfter …

    1. Hallo Emil, ich glaube, ich bin dabei, zu lernen, auch mal ohne Handlungen zurecht zu kommen. Man wird es sehen. Kraftbrunnentiefdenkbohren… da kannst Du vielleicht mal einen Volkshochschulkurs geben für Leute, die ihren Fernseher zum Fenster raus geworfen haben.

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