Vor und Nach

Vor meiner Ehe gab es auch schon die Aufforderung an mich: ich muss jetzt dies oder das machen. Dann hab ich dies oder das gemacht, manchmal brauchte ich auch einen Anstupser. Beispiel…

Ich sollte eine von einem Bekannten geschriebene Geschichte vom Äffchen Rumsplumsplums mit Zeichnungen versehen. Hätte meine Großmutter mich nicht alle 3 Wochen angerufen und gemahnt, wäre es wohl nie fertig geworden.

Das änderte sich schlagartig, als meine Tochter auf die Welt gekommen war. Es ging kein Weg dran vorbei, die Pflichten pünktlich und gut zu erfüllen. So ging das weiter mit ständigen sich die Klinke in die Hand gebenden Pflichten. Jetzt, nachdem mein Mann gestorben ist, muss ich für mich Sorge tragen. Was wirst du am Wochenende essen? Das ist neu und birgt in der Hinterhand den Gedanken: bist du nützlich?

Wenn man auch in der Freizeit so unnütze Sachen wie Bilder malen macht, dann ist dieses Fragen nicht verwunderlich. Ich muss die Wurschtigkeit, die ich vor meiner Ehe im Umgang mit Pflichten hatte, wieder lernen. Habe ich doch trotzdem Abitur, 1. und 2. Staatsexamen geschafft 🙂

bild3kl

Dieses Bild heißt: die Ordnung wurde aufgegeben, es gehört in die Reihe der Bilder, die meine Zerstörungswut aushalten mussten. Die vielen Schichten sind durch wiederholtes Übermalen bei Unzufriedenheit entstanden. Hier muss man wirklich klicken, klicken und nochmals klicken, damit das Auge Freude hat.

Advertisements

2 Kommentare zu „Vor und Nach

  1. Ich freu mich sehr über deinen Text und die darin schwimmende Frage nach der Nützlichkeit. Für sich, für andere, für die Welt. Woher kommt diese Frage in uns: Erziehung/Konditionierung oder ist sie in jedem Menschen programmatisch irgendwie mitdabei? Und wie hängt sie mit Empathie zusammen und wieso lassen wir uns weismachen, dass ein Bild zu malen weniger wert/nützlich/sinnvoll ist, als eine Bilanz oder Statistik zu erstellen, eine Unterrichtsstunde zu halten, einen Wocheneinkauf zu erledigen?

    So Fragen. Danke, dass du sie gestellt hast.

  2. Es ist ein Merkmal der Kunst, dass sie nicht nützlich ist ähnlich wie ein Kochlöffel. Dekorativen Wert, die Seele erfreuenden, auch mal repräsentativen (wenn Du einen Leonardo in der Wohnung hängen hast, bist Du kein nonamefuzzi mehr) Wert, ähnlich wie eine Coco Chanel Tasche, die dann freilich auch noch nützlich ist, weil man was rein machen kann. Kultur sollte durch das stark kommerziell ausgerichtete Denken unserer Zeit nicht erwürgt werden. PS gestern habe ich ein schönes rundes Bild gemalt… vielleicht kommt es mal in den Blog 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s