Also gestern Abend war mal wieder Zeit zum Langweilen da. Ein KUVessen. Wie das bei Essen mit vornehm gedeckt und vielen Gästen so ist, die Speisen sind mit großen Abständen auf den Tisch gekommen. Es spielte eine Harfenistin mit Bierernst. Man konnte sich aber noch gerade so ein wenig mit seinem Nachbarn unterhalten. Als dann aber noch eine Flötistin eintraf und die beiden mit Bierernst spielten, war es mit Unterhaltung vorbei. Die vielen Leute saßen wie artige Schafe an den Tischen und lauschten mit schief gelegten Haupt, aber nicht so schief, dass man denken könnte: der ist eingeschlafen, hoffentlich schnarcht er gut laut.
Kaum war der Nachtisch verzehrt, brachen wir auf und ließen die Gesellschaft zurück mit dem Gedanken: das dauert jetzt wieder 5 Jahre, bis die Stimmung vergessen ist und man wieder bereit ist, so etwas noch mal auszuhalten. Das einzig Interessante ist, zu beobachten, wie sich die Zusammensetzung der Leute wieder verändert hat und wie man immer weniger davon kennt. Es ist auch interessant, wie viel weniger man wieder mal bereit ist, an einem Wettlauf der Eitelkeiten mit zu machen. Was ich auch interessant fand, war die Mimik einer Dame bei mir am Tisch. Sie redete so ganz freundlich mit der 3. Dame darüber, was gesund ist und was nicht und manchmal einige Gesprächsfetzen mit ihrem Mann. Dabei war zu beobachten, dass ihr Gesichtsausdruck ganz plötzlich mit wenig aber schneller Veränderung fast in Hass umschlug. Ich dachte so im Stillen: Kein Wunder, dass es so schwer ist, Portraits zu zeichnen, wenn das gleiche Gesicht mit nur halben Millimetern Verschiebung sich derart verändern kann und dann natürlich auch noch: ach du Schreck, der arme Mann!
Von daher also doch nicht so schlimm mit der Essensveranstatung, da solche Erfahrungen ja auch was wert sind.







